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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Mehr Weisheit, bitte

Irgendwie spürt man es, wenn man auf einen weisen Menschen trifft, der viel über das Leben reflektiert. Oft kommt einem dann eine Lebenserfahrung entgegen, deren Außergewöhnlichkeit einen unmittelbar trifft. Es geht gar nicht darum, dass solche Menschen unbedingt Großes geleistet haben müssten. Eher ist es der Feinsinn ihrer Weltwahrnehmung, ihre Zugewandtheit zum Leben oder auch ihr Mitgefühl (auch mit sich selbst und der eigenen Fehlbarkeit). Die Weisheitsforscherin Judith Glück sagt in einem Interview mit Psychologie heute: "Weise Menschen haben einen reflektiven und selbstreflektiven kognitiven Stil. Das heißt, sie hinterfragen die Dinge und sie hinterfragen sich selbst. Sie reagieren nicht impulsiv, sie denken intensiv nach und haben das Bedürfnis, insbesondere große Lebensthemen vertiefend zu verstehen. Das heißt auch, dass sie bereit sind, ihre eigenen Handlungen zu hinterfragen, selbst wenn dabei nicht nur Positives zum Vorschein kommt. Und im Zusammenhang damit haben sie eine generelle Bereitschaft, sich nicht so wichtig zu nehmen." Es sind Haltungen und Handlungen, die heute vielleicht besonders besonders anmuten, weil Oberflächlichkeit und Hektik dieses tiefe mit dem Leben Sein oft in den Hintergrund rücken. Glück unterscheidet Weisheit von Klugheit, denn letztere könne durchaus instrumentell oder selbstbezogen sein, während eine weise Beziehung zur Welt in ihren Augen immer eine umfassendere Ganzheit im Blick habe: "Ich kann sehr klug darin sein, Ziele zu verfolgen, die mir selbst nützen. Zur Weisheit gehört aber immer, dass ich meine eigenen Ziele und Bedürfnisse mit denen anderer Menschen abgleiche. Eine weise Handlung dient nie nur dem eigenen Nutzen, sondern orientiert sich an breiteren guten Ergebnissen, am Gemeinwohl, wenn Sie so wollen." Weisheit klingt heute, in Zeiten umfassender Aufgeregtheit, ein bisschen antiquiert. Doch vielleicht ist sie gerade deshalb so wesentlich und auch erstrebenswert.
„Dinge in ihrer Tiefe verstehen“, Psychologie heute 8.6.2022

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