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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Armut ist nicht nur eine Frage des Einkommens

In der öffentlichen Diskussion um Armut und Reichtum werden Bewertungen häufig aufgrund des Nettoeinkommens getroffen, das Menschen im Alltag zur Verfügung steht. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat nun empirisch untersucht, wie sich die Möglichkeiten der Teilnahe verändern, wenn Menschen zusätzlich bei der Lebensführung auf Rücklagen zurückgreifen können. Die Untersuchung zeigt: Die üblichen Definitionen kommen der Lebensrealität sehr nahe, denenzufolge Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung stehen, als arm oder armutsgefährdet betrachtet, und jene, die über mehr als 200 Prozent verfügen, als reich. Doch im Detail mache die Tatsache, auf wie viele Rücklagen diese zurückgreifen könnten, doch einen Unterschied. So illustrieren die Analysen, dass Menschen im unteren Einkommensbereich, wenn sie noch kleinere Rücklagen haben, diese zuerst für die grundlegenden Lebenshaltungskosten verwenden wie Nahrungsmittel. Die Forscher sprechen hier von einem "ungedeckten Bedarf", der sich erst bei 65 Prozent des mittleren Einkommens verliere. Oberhalb dieser Armutsschwelle leben immer noch viele Menschen prekär. Hier seien die grundlegenden Bedürfnisse zwar erfüllt, aber soziale Teilhabe dennoch nur mit Abstrichen möglich. Hinweise geben hier die Ausgaben für Bekleidung und soziokulturelle Teilhabe, beispielsweise die Kosten für Handy, Internet oder einen Besuch im Cafébesuch. Ähnlich wie bei den Nahrungsmitteln am unteren Ende der Verteilung zeige sich auch hier ein ungedeckter Bedarf, der erst bei etwa 80 Prozent des mittleren Einkommens eine "vorläufige Sättigung" finde. Gerade jetzt, wo die Inflation bereits Menschen ohne Rücklagen in Bedrängnis bringt, wäre es sicherlich hilfreich, Erkenntnisse wie diese in der politischen Dimension zu berücksichtigen. Qua Definition mögen viele Menschen noch nicht arm sein, aber essenzielle Möglichkeiten sozialer Teilhabe dürften ihnen bereits verwehrt bleiben.
Wann ist man arm, wann reich? Neue Studie überprüft gängige Definitionen empirisch, idw 6.7.2022

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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